Ohne Haushaltsbuch verschwindet ein Großteil des Geldes im Nirgendwo

Wir haben es schon immer gewusst: Ein Haushaltsbuch ist unverzichtbar, wenn man die eigenen Ausgaben kontrollieren will. Zwar bieten mittlerweile diverse Banken verschiedene Programme und Apps mit einer „Haushaltsbuchfunktion“ an, doch werden dabei eben immer nur die Kontobewegungen ausgewertet. Alle Barzahlungen bleiben dort komplett außen vor. Dass damit ein ganz wesentlicher Teil der Ausgaben – mehr als 75 Prozent! – gar nicht berücksichtigt wird, haben wir nun in einer kleinen Studie untersucht.

Keine Sorge, auch wenn nun viele Zahlen und Diagramme folgen, eigentlich ist alles ganz einfach :-)!

Barzahlungen laut Bundesbank

Ausgangspunkt der Untersuchung ist eine Statistik der Bundesbank aus dem Jahr 2014. Diese zeigt sehr eindrücklich, wie groß der Anteil von Barzahlungen bei verschiedenen Beiträgen im Durchschnitt ist. Es wird euch bestimmt nicht wundern, dass die vielen kleinen Summen oft in bar beglichen werden. Je höher die Beträge, desto geringer wird dieser Anteil – auch nachvollziehbar, oder :-)?

Wer sich die Tabelle genauer ansieht, stellt fest, dass knapp 68 Prozent der Zahlungen zwischen 20 und 50 Euro bar bezahlt werden. Aber wie viele Zahlungen sind das genau? Welchen Anteil haben solche Zahlungen an den Gesamtausgaben? Diese Frage beantwortet ein Blick ins MoneyControl Haushaltsbuch.

Wohin geht das Geld?

Wir haben nachgefragt, und mehr als 1.000 Nutzer haben uns erlaubt, ihre Haushaltsbuchdaten anonym auszuwerten. So konnten wir ermitteln, wie groß der Anteil der Ausgaben in den einzelnen Gruppen ist. Dabei gibt es je Gruppe zwei Ergebnisse: Zum einen die Anzahl der Ausgaben in dieser Gruppe und zum anderen deren Wert.

Angenommen es gibt 100 Ausgaben von denen 99 einen Wert von einem Euro haben und die 100. Ausgabe hat einen Wert von 100 Euro. Dann würden fast alle Ausgaben – nämlich 99 Prozent – in der Gruppe „bis 5 Euro“ liegen, und nur ein Prozent läge in der Gruppe „50 – 100 Euro“. Insgesamt wären aber 199 Euro ausgegeben worden. Die Ausgaben in der Gruppe „bis 5 Euro“ würden also trotz der großen Anzahl „nur“ rund 50 Prozent des Wertes ausmachen. Die übrigen 50 Prozent entfallen auf die einzelne Ausgabe über 100 Euro. Hier noch einmal zum besseren Verständnis grafisch dargestellt:

 

Damit hat etwa jede vierte Ausgabe (25,87 Prozent) einen Wert bis fünf Euro. An der Gesamtsumme alle Ausgaben machen diese aber dennoch nur einen Anteil von 1,35 Prozent aus. Die wenigen Ausgaben in den höheren Gruppen fallen hingen bei der Gesamtsumme deutlich stärker ins Gewicht. So haben z.B. nur 1,38 Prozent aller Ausgaben einen Wert über 500 Euro, was aber rund einem Drittel (33,10 Prozent) der Gesamtausgaben entspricht.

Ergebnis: 77 Prozent aller Ausgaben werden bar bezahlt

Interessant wird es nun, wenn man die Zahlen der Bundesbank mit unserer Auswertung kombiniert. Wenn wir z.B. wissen, dass laut Bundesbank 67,9 Prozent aller Zahlungen in der Gruppe „20-50 Euro“ bar bezahlt werden, können wir dies mit der Anzahl (21,56 Prozent) und dem Wert (14,76 Prozent) der Ausgaben dieser Gruppe aus unserer Auswertung multiplizieren. Damit erhalten wir folgendes Gesamtergebnis:

Summiert man die Ergebnisse für die einzelnen Gruppen, kommt man zu dem Gesamtergebnis, dass 77 Prozent aller Ausgaben bar bezahlt werden. Diese haben einen Anteil von 42 Prozent am Gesamtwert aller Ausgaben.

Fazit: Ohne Haushaltsbuch kein Überblick

Mit diesem Ergebnis ist das Fazit klar und deutlich: Wer sich nicht die Mühe macht wirklich alle Ausgaben, also besonders auch die Barzahlungen, in einem Haushaltsbuch zu kontrollieren, verliert einen wesentlichen Teil seiner Finanzen komplett aus den Augen!

Ein Blick auf den Kontoauszug oder eine „Haushaltsbuch-Auswertung“ in der Bank-App zeigt nur die Kontobewegungen. Wohin mehr als 40 Prozent des Geldes verschwinden, bleibt dort komplett außen vor.

Mehr als drei Viertel aller Ausgaben werden bar bezahlt. Auch wenn man sich an die wenigen, größeren Barzahlungen noch gut erinnert, weiß vermutlich keiner so genau, was hinter den zahlreichen Ausgaben bis 50 Euro steckt. Dabei fließen dort immerhin gut 20 Prozent des insgesamt ausgegeben Geldes hin.

Gerade die kleinen Ausgaben kann man jedoch gut beeinflussen und steuern. Ob der tägliche Coffe-2-Go auf dem Weg zur Arbeit für 3 Euro wirklich sein muss, oder ob ein Kaffee von zu Hause nicht ebenso gut schmeckt, kann man z.B. ziemlich einfach herausfinden. Größere Ausgaben für notwendige Reparaturen am Auto oder Ersatz für die kaputte Waschmaschine kann man hingegen deutlich schlechter steuern.

Wie sieht euer Zahlungsverhalten aus? Seid ihr Fans der Kartenzahlung oder präferiert ihr die gute alte Barzahlung? Ab welchen Summen greift ihr lieber zur EC-Karte und wie hoch ist euer monatlicher Anteil an Barausgaben? Ihr seht, wir sind neugierig und freuen uns über eure Kommentare und Hinweise :-)!

 

 

Ein Gedanke zu „Ohne Haushaltsbuch verschwindet ein Großteil des Geldes im Nirgendwo“

  1. Seit dem ich das Haushaltsbuch nutze, habe ich die volle Kontrolle über meine Einnahme und Ausgaben.

    Ich zahle viel mit EC-Karte. Da verliert man auch schnell mal den Überblick. Sofern das Haushaltsbuch sehr gut gepflegt wird, ist der Kontostand immer genauer als der auf dem Girokonto. Ausgaben werden von mir direkt per App nach dem Kauf eingetragen und so weiß ich nach dem Einkauf schon genau, wie mein Kontostand lautet. Super! 🙂

    Auch die Sparfunktion ist super! Ich konnte mir in ein paar Wochen schon eine schöne kleine Summe bei Seite legen!

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